Wahlthema

Weiterbildung

+ Chance für möglichst bundeseinheitliche Weiterbildungsordnung nutzen

Der Hartmannbund fordert alle Landesärztekammern auf, die Chancen der Novellierung der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) zu nutzen und die Novelle der MWBO künftig, wie vom Deutschen Ärztetag beschlossen, möglichst bundeseinheitlich umzusetzen.

Begründung: In Deutschland sind für alle Angelegenheiten ärztlicher Weiterbildung die Landesärztekammern als Körperschaften des Öffentlichen Rechts zuständig. Die von der Bundesärztekammer in Zusammenarbeit mit den Landesärztekammern erarbeitete und vom Deutschen Ärztetag beschlossene Musterweiterbildungsordnung hat für die Landesärztekammern formal nur empfehlenden Charakter. Insoweit ist für jeden Arzt/jede Ärztin immer nur die Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer rechtsverbindlich, deren Mitglied er/sie ist.

Der 121. Deutsche Ärztetag hat sich im Mai 2018 mit der Gesamt-Novelle der MWBO befasst und diese einstimmig verabschiedet.

Diese nicht nur punktuelle Änderung sollte Anlass geben, die künftig kompetenzbasierte Weiterbildung durch die Landesärztekammern einheitlich zu übernehmen, um angesichts der zunehmenden Mobilität und veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen eine einheitliche, strukturierte und qualitativ hochwertige Weiterbildung zu ermöglichen.

Dr. Adrian Weyer

Facharzt für Augenheilkunde, Klinikum (Dortmund)

»Keine Zeit für die Aus- und Weiterbildung unserer jungen Ärztinnen und Ärzte – das ist trauriger Alltag in vielen Kliniken. Wir brauchen bundeseinheitliche Standards und Mentoringprogramme, damit die neue Ärztegeneration fit für ihren späteren Berufsalltag gemacht wird.«

+ Weiterbildung darf ökonomischem Druck nicht zum Opfer fallen

Der Hartmannbund fordert die politischen Entscheidungsträger dazu auf, nachhaltige Maßnahmen zur Sicherung der ärztlichen Weiterbildung zu ergreifen und ein Modell zu realisieren, dass diesen wichtigen Baustein gegen die Einflüsse des zunehmenden ökonomischen Drucks absichert. Die personelle Besetzung von Operationen oder Funktionsbereichen muss dabei unter Berücksichtigung der Weiterbildungsanforderungen der weiterzubildenden Kollegen statt nach monetären Effizienzerwägungen erfolgen. Wichtige Elemente zur Erreichung dieser Zielmarke sind eine externe und unabhängige Finanzierung, um Freiräume für die Weiterbildung zu schaffen, die eine schrittweise Etablierung einer Weiterbildungskultur etwa mit Mentoring – bzw. Supervisionsstrukturen sowie spezifischen Fortbildungsangeboten und die konsequente Förderung und Umsetzung moderner Weiterbildungsstrukturen an den Weiterbildungsstätten ermöglichen.

Begründung: Die ökonomischen Einflüsse, die das DRG-System für die Kliniken mit sich bringt, führen zu einer kontinuierlichen Begrenzung von Leistungen. Stark betroffen von der Ökonomisierung ist die ärztliche Weiterbildung, die nicht nur in den Funktionsbereichen und der Operationsplanung, sondern auch im täglichen Stationsablauf durch den ständig notwendigen Versuch der Effizienzsteigerung eingeschränkt wird.

Die Erfahrung zeigt, dass Ärzte in Weiterbildung zum Beispiel in eingeschränkter Häufigkeit für Operationen eingeteilt werden, da Oberärzte oder erfahrene Fachärzte diese Prozeduren selbstverständlich schneller durchführen können. Die Planung und personelle Besetzung von Operationen, sofern fachlich möglich, muss unter Berücksichtigung der Weiterbildungsanforderungen der weiterzubildenden Kollegen und nicht nach reinen Effizienzerwägungen vorgenommen werden. Gleiches gilt für die Umsetzung eines Weiterbildungskonzeptes bzw. der detaillierten Rotationsplanung für Ärzte in Weiterbildung. Hier muss der Aspekt einer guten Weiterbildung vor ökonomischen Erwägungen wie zum Beispiel einer besonders effizienten Abarbeitung von Patientenfällen Vorrang haben. Eine Weiterbildungskultur zu schaffen, die nur durch konsequente Anstrengungen aller beteiligten Akteure entstehen kann, ist dabei unumgänglich.

Dr. medic. Lorand Bartha

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportklinik Hellersen (Lüdenscheid)

»Durch die starke Ökonomisierung und ständige Effizienzsteigerung in den Klinken, fällt die zentral wichtige ärztliche Weiterbildung ständig hinten über. Wir brauchen aber eine gute Ausbildung, damit wir auch morgen noch gute Ärztinnen und Ärzte in diesem Land haben.«

+ Weiterbildungsstätten fördern, Evaluation fordern

Der Hartmannbund fordert die Landesärztekammern dazu auf, die Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung konsequent und umfassend zu evaluieren. Die Ergebnisse sind so aufzubereiten und zu veröffentlichen, dass ein Wettbewerb der Weiterbildungsstätten entsteht. In der Folge der Evaluation muss den Weiterbildungsstätten, welche sich im unteren Quartil der Bewertung befinden, aktiv Hilfestellung bei der Implementierung von Weiterbildungsstandards angeboten werden, um die Weiterbildung in Deutschland nachhaltig zu verbessern.

Begründung: Die Evaluation der Weiterbildung in Deutschland variiert in den verschiedenen Landesärztekammern zum Teil stark. Die Ergebnisse sind nur umständlich einsehbar und können daher von Berufsanfängern und Ärzten in Weiterbildung nur begrenzt zur Auswahl einer guten Weiterbildungsstätte genutzt werden. Durch eine gute Aufbereitung und entsprechende Veröffentlichung könnte ein Wettbewerb der Kliniken um Weiterbildungsassistenten entstehen und ein echter Anreiz für gute Weiterbildung gesetzt werden.

Weiterbildungsstätten, die unterdurchschnittlich abschneiden, sollte strukturell bei der Implementierung von Weiterbildungsstandards geholfen werden. Eine Malusregelung darf keine Konsequenz der Evaluation sein.

+ Hohe Qualität der Weiterbildung ist Kernaufgabe der Ärztekammern

Der Hartmannbund fordert die Landesärztekammern auf, die Qualität der Weiterbildung – zum Beispiel im Rahmen einer Evaluation – systematisch zu erfassen und konsequent auf eine Verbesserung hinzuwirken. Dabei sind alle zur Verfügung stehenden Mittel – zum Beispiel Visitationen – und auch Sanktionsmöglichkeiten auszuschöpfen. Insbesondere bei der Erteilung und Verlängerung von Weiterbildungsbefugnissen müssen diese Evaluationsergebnisse berücksichtigt werden.

Begründung: Die ärztliche Weiterbildung ist gesetzgeberischer Auftrag und Kernaufgabe der Ärztekammern. Sie findet jedoch in hauptberuflicher Stellung als sogenanntes training-on-the-job statt. Dabei ist das arbeitsrechtliche Verhältnis zwischen dem Arbeitgeber und dem Arzt in Weiterbildung maßgeblich, das die Facharztweiterbildung i.d.R. nur unzureichend berücksichtigt. Arbeitgeber und Weiterbildungsbefugte sind ebenfalls selten identisch, vor allem im stationären Sektor stehen Weiterbildungsbefugte selbst in einem eigenen arbeitsvertraglichen Abhängigkeitsverhältnis. Um so mehr muss den Ärztekammern daher daran gelegen sein, ihren Einfluss auf die gute Qualität der Weiterbildung zu erhalten, durchzusetzen und zu stärken.

Dr. Jan Dirk Wolff

Facharzt für Plastische und ästhetische Chirurgie, Belegarzt (Werl)

»Wir brauchen mehr junge Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung und in unserer Kammer, die ihre Zukunft aktiv mitgestalten.«